Frauenherabwürdigende Werbung – Werberat rügt erneut vier sexistische Werbemotive

BERLIN, 20.12.2022 (dwr) – Zum zweiten Mal in 2022 muss der Deutsche Werberat vier Öffentliche Rügen gegen die sexistische Werbung von Unternehmen aussprechen. Bei allen beanstandeten Motiven werden Frauen durch eine herabwürdigende bildliche oder verbale Inszenierung diskriminiert. Eine Rüge geht an die Plakatwerbung von EasyCarWash aus Wismar, weitere Rügen erhalten der Bundeswehr- und Outdoorshop baum-m GmbH in Eystrup sowie die Schumann Baumanagement GmbH aus Rednitzhembach für Abbildungen auf Firmenfahrzeugen. Ebenfalls eine Rüge bekommt das Portal fremdgehen69.com aus dem niederländischen Venlo für seinen TV-Spot. Gerade bei kleineren Handwerks- oder Dienstleistungsbetrieben handelt es sich nach Beobachtung des Werberats oft um Werbung, die nicht professionell begleitet wird. Rügen auszusprechen, stellt eine Ausnahme dar, da fast alle Unternehmen ihre vom Werberat beanstandeten Motive oder Spots zeitnah zurückziehen. Die Durchsetzungsquote des Werberats liegt seit Jahren über 90 Prozent.

EasyCarWash

Das Unternehmen EasyCarWash bewirbt seine Autopflege mit einem Plakat am Standort Wismar, das eine mit Hotpants und bauchfreiem Top bekleidete Frau in High Heels zeigt. Sie steht mit einem Hochdruckreiniger in der Hand neben einem Auto und posiert für die Kamera. Das Gremium des Deutschen Werberats stuft diese Abbildung als sexistisch ein, da Frauen auf ihre rein sexuelle Funktion reduziert werden: Das realitätsferne Posieren der Frau, ein Auto wird üblicherweise nicht auf diese Weise gewaschen, zeigt, dass sie als reiner Blickfang eingesetzt, zu einem bloßen Objekt degradiert und auf ihre Sexualität reduziert wird. Frauenherabwürdigend urteilt der Werberat über das Motiv. [Verstoß gegen Ziffern 4 und 5 der Verhaltensregeln des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen]

Bundeswehr- und Outdoorshop baum-m GmbH

Auch die Fahrzeugwerbung der baum-m GmbH aus Niedersachsen, einem Bundeswehr- und Outdoorshop, bewertet das Gremium des Deutschen Werberats als sexistisch. Auf einem Firmenfahrzeug ist eine liegende Frau abgebildet, die lediglich einen Bikini und High Heels trägt und lasziv posiert. Dies entspricht keiner typischen Outdoor- und Campingsituation und lässt keinen Zusammenhang mit den beworbenen Produkten erkennen. Die Frau wird durch die freizügige Darstellung auf ihre Sexualität reduziert und mit einem Objekt gleichgesetzt. Eine zusätzliche Herabwürdigung erfolgt durch die auffällige, breitbeinige Pose der Frau, die den Blick des Betrachters auf den Schritt lenkt. [Verstoß gegen Ziffern 4 und 5 der Verhaltensregeln des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen]

Schumann Baumanagement GmbH

Ebenfalls als sexistisch stuft das Gremium die Fahrzeugwerbung der Schumann Baumanagement GmbH aus Franken ein. Auf einem Fahrzeug wirbt das Unternehmen mit der Abbildung einer knapp bekleideten Frau, deren Brüste deutlich sichtbar sind und die mit geöffnetem Mund direkt in die Kamera blickt. Neben dem Model ist der Text platziert „Bock auf nen geilen Job?“. Laut Werberatsgremium legt das Motiv die sexuelle Verfügbarkeit der Frau nahe und sie wird als Sexualobjekt herabgewürdigt. Da darüber hinaus kein Zusammenhang zwischen den beworbenen Jobangeboten (Bauleiter, technischer Assistent, Allrounder Bau) und der bildlichen Darstellung besteht, wird das Motiv als sexistisch gerügt. [Verstoß gegen Ziffern 4 und 5 der Verhaltensregeln des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen]

fremdgehen69.com

Auch der TV-Spot des Portals fremdgehen69.com ist sexistisch. In dem Werbespot sitzt ein mit Unterhemd und Boxershorts bekleideter Mann im Bett, neben ihm liegt eine vermeintlich schlafende weibliche Person. Auf seinem Handy schaut sich der Mann Profile der beworbenen Fremdgeh-App an und lässt die Frau neben sich durch einen Wisch verschwinden. Neben ihm taucht nun eine andere weibliche Person mit nacktem Oberkörper und nur mit einem Slip bekleidet auf, die ihn mit dem Wort „Hola“ begrüßt. Eine Stimme aus dem Off begleitet den Werbespot mit dem Text „Keine Lust mehr auf deine schnarchende Beziehung? Dann hol dir, was dir zusteht. Auf fremdgehen69 kannst du deine Alte wegswipen und dir eine heiße Affäre in deiner Nähe suchen und finde noch heute einen Partner für Bettspielchen.“. Nach Ansicht des Gremiums wird insbesondere durch den gesprochenen Text suggeriert, dass eine Frau für ihren Mann pausenlos sexuell zur Verfügung zu stehen habe. Sie wird damit auf ihren Körper und ihre Sexualität reduziert und mit einem Objekt gleichgesetzt. [Verstoß gegen Ziffern 4 und 5 der Verhaltensregeln des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen]

Hinweis
Die Angaben hinsichtlich der Gestaltung der jeweiligen Werbemaßnahme sowie des verantwortlichen Unternehmens beziehen sich auf den für das Beschwerdeverfahren maßgeblichen Zeitpunkt. Die aktuelle Gestaltung der Werbemaßnahme und das heute hierfür verantwortlich zeichnende Unternehmen können daher von den damaligen Gegebenheiten abweichen.

Kontakt:
Deutscher Werberat | Anne-Marie Grote (Kommunikation und Presse)
presse@werberat.de | Tel.: +49 (0)30/59 00 99-717

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