Frauen als Sexobjekte und pseudo-tätowiertes Baby - Vier Öffentliche Rügen wegen Sexismus sowie Ethikverstoß

Frauen als Sexobjekte und pseudo-tätowiertes Baby - Vier Öffentliche Rügen wegen Sexismus sowie Ethikverstoß

BERLIN, 24. Oktober 2019 (dwr) – Der Deutsche Werberat, Konfliktregler zwischen werbenden Unternehmen und umworbenen Bürgern, hat vier Unternehmen öffentlich gerügt: In drei Fällen lag ein Verstoß gegen Ziffer 5 der DWR-Verhaltensregeln gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen vor, in einem Fall ein Verstoß gegen die Grundregeln zur kommerziellen Kommunikation.

  • Als frauenherabwürdigend gerügt wurde die Fahrzeugwerbung der Truck Wash A61 GmbH aus Ransbach-Baumbach im Westerwald. Die Werbemaßnahme zeigt Frauen, die in Bikini und High Heels eine Autowäsche durchführen und dabei aufreizende Posen einnehmen: reiner werblicher Blickfang, so der Werberat. Die Frauen würden auf ihre sexuellen Reize reduziert und damit herabgewürdigt. Dass das Unternehmen das Motiv von einem Stockfoto-Anbieter lizenziert erworben habe, ändere nichts an der Werberats-Bewertung.
     
  • Ebenfalls als sexistisch beanstandet wurde die Plakatwerbung der Firma MF Autoteile aus Ilmenau. Das Werbemotiv zeigt prominent platziert und ohne jeglichen Produktbezug ein weibliches Gesäß. Aus Sicht des Deutschen Werberats wird hierdurch sexuelle Anziehung als ausschließlicher Wert von Frauen propagiert. Auch der eingereichte Änderungsvorschlag des Unternehmens erzielte kein anderes Ergebnis in der Beurteilung durch das Gremium. Vorgeschlagen wurde, einen markanten gelben „Zensiert“-Schriftzug über dem Gesäß der Frau einzufügen. Dieser würde den Blick des Betrachters aber noch stärker auf das Gesäß der Frau lenken, so dass auch dieser Änderungsvorschlag als ein Verstoß gegen die Verhaltensregeln des Deutschen Werberats beanstandet wurde.
     
  • Beim dritten Fall, der Fahrzeugwerbung der Bike Ranch Wismar, wird die abgebildete Frau nach Auffassung des Deutschen Werberats nicht als Motorradfahrerin, sondern in erster Linie als ein bloßes Objekt dargestellt. Zum einen trägt die Frau keine für Motorradfahrer und -fahrerinnen übliche und angemessene Schutzkleidung, sondern ist nur leicht bekleidet abgebildet, zum anderen reckt sie dem Betrachter ihr Gesäß entgegen. Sie fungiert daher ganz offensichtlich als reiner Blickfang und macht nicht den Eindruck, dass sie das Motorrad - wie das werbende Unternehmen ausführte - halten möchte.
     
  • Als verstörend und mit den vorherrschenden ethischen Grundsätzen unvereinbar hat der Werberat die Schaufensterwerbung des Tattoostudios HOUSE OF PAIN KORNWESTHEIM aus Kornwestheim in Baden-Württemberg gerügt. Das Unternehmen wirbt in seinem Schaufenster mit der Darstellung eines mehrfach tätowierten Babys. Obwohl die Abbildung erkennbar fiktional und die Tätowierung von Babys und Kleinkindern rechtswidrig ist, erzeuge die Werbemaßnahme nach Ansicht des Werberats trotzdem den Eindruck, dass durch Tattoos verursachte Körperverletzungen an Kleinkindern akzeptabel seien. Außerdem diene das Baby als reine Werbefläche für das Angebot des Unternehmens und werde damit entgegen den gesellschaftlichen Grundüberzeugungen zu einem Objekt degradiert.

Kontakt: Katharina Jahn-Günther
E-Mail: werberat@werberat.de
Tel.: +49 30 59 00 99–721